Prof. Dr. Michael Bosnjak

Projektzusammenfassung

Passivrauchexposition am Arbeitsplatz und Lungenkrebsrisiko:
Replikation und Erweiterung der Meta-Analyse von Stayner et al. (2007)


Projektleitung: 

Prof. Dr. Michael Bosnjak

Mitarbeiter:
Dipl.-Psych. Holger Pahl
Dipl.-Psych. Robin Würfel

Gefördert durch:
Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN), Geschäftsbereich Prävention

Projektlaufzeit:
1. Februar 2008 bis 30. Juni 2009

Zusammenfassung der zentralen Befunde:

Ausgangspunkt des Projekts war eine bereits publizierte Meta-Analyse von Stayner et al. (2007) zum Zusammenhang zwischen der Passivrauchexposition am Arbeitsplatz und dem Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Es wurde der Frage nachgegangen,  ob die bei Stayner et al. (2007) berichteten Befunde als zuverlässig, robust und widerlegungssicher einzustufen sind. Diese Frage muss aus drei Gründen verneint werden.

Erstens brachte die vorliegende Replikationsstudie zu Tage, dass die bei Stayner et al. (2007) einbezogenen Primärstudien großteils von ´mittlerer´ Qualität sind. Es steht zu befürchten, dass deshalb die Qualität der Befunde im Sinne einer ´garbage-in, garbage-out´-Problematik als nicht sehr hoch einzuschätzen ist. Zudem sind qualitativ hochwertigere Studien mit einer tendenziell geringeren Effektstärkenschätzung systematisch verknüpft, d.h. ´bessere´ Studien suggerieren einen ´geringeren´ Zusammenhang zwischen der Passivrauchexposition und dem Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Zweitens zeigte sich, dass der bei Stayner et al. (2007) berichtete Gesamteffekt in Höhe einer rund 25 prozentigen Riskoerhöhung durch Passivrauchexposition am Arbeitsplatz unter einer vergleichbar inkonsistenten methodischen Vorgehensweise zwar replizierbar ist, unter Berücksichtigung und Modellierung der getroffenen subjektiven Entscheidungen während des meta-analytischen Prozesses allerdings kaum mehr von robusten Befunden gesprochen werden kann. Nulleffekte, d.h. die Möglichkeit, dass kein Zusammenhang zwischen Passivrauchexposition am Arbeitsplatz und dem Lungenkrebsrisiko besteht, sind im Rahmen des dieser Erweiterungsstudie zugrunde gelegten Modells ebenso denkbar wie eine Risikoerhöhung um rund 70%. Diese verhältnismäßig große Bandbreite an möglichen Ergebnissen verdeutlicht, dass die Primärstudienbasis alles andere als ausreichend erscheint, um eine zuverlässige Aussage über den ´wahren Wert´ zu treffen.

Drittens hat sich gezeigt, dass die bei Stayner et al. (2007) berichtete Dosage-Response-Analyse zum Zusammenhang zwischen der Dauer der Passivrauchexposition am Arbeitsplatz in Jahren sowie dem Lungenkrebsrisiko bereits nach Ausschluss einer einzigen Studie (Reynolds et al., 1996) verschwindet, nach Herauslassen einer anderen Studie (Kreuzer et al., 2000) deutlich ansteigt. Es zeigt sich somit ein ähnliches Bild wie beim geschätzten Gesamteffekt: Die berücksichtigte Primärstudienbasis scheint nicht auszureichen, um eine zuverlässige Aussage über den ´wahren Zusammenhang´ zwischen Passivrauchexposition und dem Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, treffen zu können. 

In der Gesamtwürdigung der ermittelten Ergebnisse der vorliegenden Replikation und Erweiterung, und unter Berücksichtigung der übergeordneten Fragestellung muss man davon ausgehen, dass die bei Stayner et al. (2007) wiedergegebenen Befunde kaum als zuverlässig, robust und widerlegungssicher einzustufen sind.

Zusammenfassung der Projektergebnisse:

Präsentationen:
  • Bosnjak, M., Pahl, H. & Würfel, R. (2009, März). Replikation und Erweiterung einer Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen ETS und Lungenkrebsrisko. Abschlusspräsentation zum Projekt "Replikation und Erweiterung einer Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen ETS und Lungenkrebsrisko", gehalten am 19. März 2009 in Speyer.
    [Präsentation: Eine Folie pro A4 Seite]
    [Präsentation: Handout: Drei Folien pro A4 Seite]
  • Bosnjak, M. (2008, November). Why meta-analytic evidence is anything else than ´rock solid´: The case of environmental tobacco smoke. Invited presentation given at the Max Planck Institute for Human Development, Center for Adaptive Behavior and Cognition, November 5, 2008, Berlin, Germany.
    [Download PDF slides here]
Qualifikationsarbeiten und Originalmaterialien:
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